
Ratgeber Riesling
Der weiße Riesling wird in erster Linie in Deutschland angebaut und findet Liebhaber auf der ganzen Welt. In der richtigen Lage produziert, gehören Rieslinge zu den Spitzenweinen mit einer großen Aromen- und Geschmacksvielfalt. Was Sie für den bewussten Genuss eines guten Rieslings über den Wein wissen sollten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
1. Allgemeine Informationen
Die weiße Riesling-Rebe wird schon seit Jahrhunderten in Mitteleuropa kultiviert und geht vermutlich auf eine Kreuzung aus Heunisch, Traminer und einer rheinischen Wildrebe zurück. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde der Wein im Jahr 1435 auf einem Dokument aus Rüsselsheim am Main. Riesling reift relativ spät und hat hohe Ansprüche an das Terroir.
1.1 Anbaugebiete
Riesling wird häufig in nördlicheren Regionen angebaut und verträgt Winterfröste von minus 20 bis minus 25 Grad Celsius. Die Rebsorte wird weltweit kultiviert und ist in Asien, Australien, Neuseeland, Südafrika sowie Süd- und Nordamerika verbreitet. Eine längere Anbautradition hat Riesling jedoch in Deutschland, wo knapp die Hälfte des weltweit hergestellten Rieslings produziert wird. Bekannte Riesling-Anbaugebiete sind hier insbesondere die Mosel, Rheinhessen, der Rheingau aber auch die Pfalz.
1.2 Anbaubedingungen und Ansprüche
Besonders im Spätherbst benötigt die Rebsorte ausreichend Wärme, weshalb Riesling meist in Steillagen angebaut wird. Die Trauben sind länger und gleichmäßiger der Sonne ausgesetzt und reifen somit zu besonders hochwertigen Früchten.
An Steillagen wie hier in Cochem an der Mosel hat Riesling ideale Voraussetzungen.
Skelettböden sind des Weiteren eine wichtige Voraussetzung für den Rieslinganbau. Je nach Lage kann die Rebe dadurch tief Wurzeln und auf Mineralien unterliegender Gesteinsschichten zugreifen.
Schieferböden, wie sie vor allen Dingen an der Mosel und am Mittelrhein vorkommen, speichern die Wärme der Sonnenstrahlen lange ab und wirken sich vorteilhaft auf den Geschmack der Weine aus. Darüber hinaus kann bei starken Regenfällen das Wasser schnell abfließen, was sich ebenfalls positiv auf die Qualität des Rieslings auswirkt.
1.3 Geschmack und Aroma
Je nach Anbaugebiet entstehen Weine mit unterschiedlichem Säure- und Alkoholgehalt sowie Aromen. Wie alle Weine lässt sich Riesling entweder mit weniger oder mehr Zuckergehalt ausbauen. Innerhalb der EU sind die Geschmacksbezeichnungen einheitlich geregelt.
| Bezeichnung | Definition |
|---|---|
| trocken (de); sec (fr); secco (it) | max. Zuckergehalt 4 g/l bzw. 9 g/l, wenn Säuregehalt 2 g/l niedriger als Zuckergehalt ist |
| halbtrocken (de); demi sec (fr); abboccato (it) | max. Zuckergehalt 12 g/l bzw. 18 g/l, wenn Säuregehalt 10 g/l niedriger als Zuckergehalt ist |
| lieblich (de); moelleux (fr); amabile (it) | max. Zuckergehalt 45 g/l |
| süß (de); doux (fr); dolce (it) | min. Zuckergehalt 45 g/l |
Darüber hinaus findet man vor allen Dingen beim Riesling häufig die Bezeichnung einherb, für die es keine gesetzliche Definition gibt. Deshalb kann der Geschmack feinherber Weine teilweise stark variieren. Häufig bezeichnet feinherb allerdings Weine, die in der Geschmacksrichtung zwischen lieblich und halbtrocken angesiedelt sind.
Neben fruchtigen Aromen sind Rieslingweine auch für eine Vielzahl weiterer Geschmacksnoten bekannt
Rieslingweine überzeugen Kenner und Liebhaber mit einer großen Bandbreite an Aromen, darunter besonders bei trockenen Rieslingen solche von Zitrusfrüchten und Äpfeln sowie Birnen, Aprikosen, Pfirsichen und Grapefruit. Bei halbtrocken oder lieblich beziehungsweise süß ausgebauten Weinen sind Aromen von Ananas, Feigen, Quitten, Melone oder Passionsfrucht zu finden. Auch Nuss oder Minze sowie, je nach Terroir, mineralische Noten gehören zum Bouquet eines Rieslings.
2. Qualitätsstufen und Prädikatsweine
Riesling wird nach verschiedenen Qualitätsstufen kategorisiert, deren Systematik innerhalb der EU einheitlich geregelt ist. Diese unterscheiden sich nach Mindestalkoholgehalt, Mindestsäuregehalt, Mostgewicht und Reinheit (Verschnitt) beziehungsweise Herstellungsverfahren (Chaptilisation). Die deutsche Bezeichnung für die verschiedenen Qualitätsstufen sind
- Tafelwein
- Landwein
- Qualitätswein
- Prädikatswein
Dieser Riesling trägt das Prädikat Spätlese.
Riesling wird häufig als Prädikatswein ausgebaut und eignet sich für einige Weinspezialitäten aufgrund seines hohen Säuregehalts und seiner botanischen Eigenschaften besonders gut.
Kabinett
Das Prädikat Kabinett steht für ein vergleichsweise hohes Mostgewicht und verbietet Chaptilisation bei der Herstellung des Weines. Riesling Kabinett haben meist einen relativ geringen Alkoholgehalt und überzeugen durch Leichtigkeit und Finesse im Geschmack. Eine leichte Restsüße sorgt für ein ausgewogenes Säure-Süße-Verhältnis und macht den Wein süffig. Die Herstellung eines Riesling Kabinett setzt vor allen Dingen aufgrund des Erntezeitpunkts viel Erfahrung beim Winzer voraus und ist nur mit gesunden Trauben möglich, die nicht von Fäule befallen sind.
Spätlese
Spätlese bezeichnet Weine, die zu einem späteren Zeitpunkt als die allgemeine Lese geerntet werden. Der Spätlesetermin wird durch den Herbstausschuss der zuständigen Gemeinde festgesetzt und variiert je nach Anbaugebiet. Darüber hinaus müssen die Trauben zur Leseprüfung angemeldet sein, damit der Wein das Prädikat Spätlese erhalten kann. Bei der Leseprüfung werden Qualitätskriterien wie Reife und Gesundheit der Trauben kontrolliert. Spätleseweine verfügen meist über eine gewisse Restsüße, können aber auch trocken ausgebaut werden.
Auslese
Ein Wein der mit dem Prädikat Auslese gekennzeichnet ist, verfügt über ein höheres Mostgewicht als ein solcher mit der Bezeichnung Spätlese. Der Name bezieht sich darauf, dass Trauben für Qualitätsweine mit dem Prädikat Auslese bei der Traubenlese als hochwertig aussortiert werden. Bei der Herstellung einer Auslese dürfen nur Trauben aus einem festgelegten Bereich des Weingebiets verwendet werden. Außerdem ist wie bei allen deutschen Prädikatsweinen Chaptilisation verboten. Weine mit dem Prädikat Auslese eignen sich genauso wie Spätlese-Weine für längere Lagerung und gewinnen zunehmend an Bouquet.
Beerenauslese
Weine, die aus edelfaulen Trauben hergestellt werden, dürfen nach Prüfung weiterer Qualitätskriterien das Prädikat Beerenauslese tragen. Die Natursüße der Weine entsteht durch eine Konzentration des Zuckergehalts durch Verdunsten. Der Schimmelpilz Botrytis cinerea befällt die Trauben bei warmem Herbstwetter in Verbindung mit Frühnebel und perforiert die Zellwände. So verdunstet unter Sonneneinstrahlung ein Teil der Flüssigkeit und der Zuckergehalt beziehungsweise das Mostgewicht steigt an. Es entsteht ein süßer Wein mit relativ geringem Alkoholgehalt und goldener Farbe. Auch Beerenauslesen eignen sich für die Lagerung über mehrere Jahre und gewinnen an Bouquet.
Trockenbeerenauslese
Die Trockenbeerenauslese stellt die höchste Qualitätsstufe der Prädikatsweine dar. Wie schon bei der Beerenauslese handelt es sich hierbei um von Grauschimmelfäule befallene Trauben, die allerdings über einen noch längeren Zeitraum am Rebstock bleiben. Erst wenn die Beeren zu einem Großteil vertrocknet sind und Rosinen ähneln, werden sie gelesen. Der Zuckergehalt ist stark konzentriert, was zu einem entsprechend hohen Mostgewicht führt und die Herstellung besonders hochwertiger Weine mit Natursüße und guter Lagerfähigkeit ermöglicht. Eine goldgelbe Farbe ist neben niedrigem Alkoholgehalt ein besonderes Merkmal der Trockenbeerauslese, die in Deutschland häufig aus Riesling der Anbaugebiete Mosel und Rheingau produziert wird.
Eiswein
Eiswein wird in Deutschland aus Trauben gewonnen, die im gefrorenen Zustand bei einer Temperatur von mindestens minus sieben Grad Celsius geerntet werden. Weitere Herstellungsländer von Eiswein sind Österreich und Kanada, wo teilweise andere Qualitätskriterien herrschen. Häufig wird Eiswein im Januar geerntet. Das Wasser der reifen Trauben kristallisiert und der verbleibende Zucker sowie die Fruchtsäure bilden die Grundlagen für ein hochwertiges Produkt. Da die Trauben ungewöhnlich lange am Rebstock verbleiben, riskieren die Winzer, dass die Ernte bei zu hohen Temperaturen verfault oder bei zu niedrigen Temperaturen zu kalt für die Herstellung von Eiswein wird. Deswegen ist diese Spezialität seltener als andere Prädikatsweine und dementsprechend meist teurer. Eiswein wird häufig aus Riesling, aber auch aus Vidal Blanc oder Chenin Blanc gewonnen.
3. Tipps zum Rieslinggenuss
Riesling ist ein relativ alkoholarmer Wein und eignet sich deshalb besonders gut als Begleiter zum Essen. Anders als Rotwein wird er für gewöhnlich nicht zu dunklem Fleisch serviert und wie alle Weißweine gekühlt getrunken.
3.1 Riesling und Essen
Da er über verhältnismäßig viel Säure verfügt, passt Riesling weniger zu Röst- und salzigen Aromen. Ist er halbtrocken oder süß ausgebaut, können sich jedoch auch interessante Kombinationen zwischen Fruchtsüße und salzigen Geschmäckern ergeben.
| Gericht | Weinvorschlag |
|---|---|
| Gedünsteter Fisch, Muscheln | Riesling Kabinett |
| Gebratener Fisch, Meeresfrüchte | Spätlese |
| Geflügel | Riesling Kabinett |
| Asiatische Küche | Halbtrockener Riesling |
| Nachspeisen | Beerenauslesen, Eiswein |

3.2 Trinktemperatur Riesling
Die optimale Trinktemperatur hängt bei Riesling von der Natursüße des Weins ab. Trockene Weine werden kühler genossen als Kabinett oder sogar Trockenbeerenauslese.
| Wein | Temperatur in °C |
|---|---|
| Säurereicher, trockener Wein | 6 - 8 |
| Kabinett | 8 - 10 |
| Auslese, Spätlese, Beerenauslese | 10 - 12 |
| Trockenbeerenauslese, Eiswein | 12 - 14 |
4. Fachwörterverzeichnis
An dieser Stelle erklären wir wichtige Begriffe aus dem Ratgeber genauer.
Steillage
Steillage bezeichnet Hänge mit mehr als 30 Prozent Neigung. Reben die in Steillage angebaut werden, profitieren von einer längeren Sonneneinstrahlung und verfügen über ein eigenes Mikroklima, welches die Luftfeuchte vorteilhaft reguliert. Allerdings sind Steillagen sehr aufwendig zu bewirtschaften, da nur wenige technische Hilfsmittel eingesetzt werden können. Zu den steilsten bewirtschafteten Lagen Europas zählen zum Beispiel der Calmont an der Mosel oder der Engelsfelsen in Baden.
Terroir
Terroir bezeichnet das Zusammenspiel von Boden, Klima beziehungsweise Temperatur, Niederschlägen und Sonneneinstrahlung. Der Einfluss all dieser Faktoren auf das Wachstum der Rebe macht sich später im Geschmack bemerkbar und kann beim Ausbau durch den Winzer betont oder abgemildert werden.
5. FAQ
Zu welchem Essen passt Riesling?
Aufgrund seines verhältnismäßig geringen Alkoholgehalts lässt sich Riesling gut zum Essen trinken. Süß ausgebaut, als Beerenauslese oder Eiswein, eignet sich Riesling perfekt als Begleiter zum Dessert. Trockener Riesling und Kabinett Riesling passen zu Geflügel, hellem Fleisch oder Fischgerichten. Die Gewürze der asiatischen Küche wie zum Beispiel Ingwer ergänzen sich mit halbtrockenem Riesling.
Gibt es auch veganen Riesling?
Als Produkt auf Pflanzenbasis steht Wein zunächst nicht im Verdacht, gegen vegane Ernährungsgewohnheiten zu verstoßen. Allerdings kommen bei der konventionellen Weinherstellung tierische Produkte wie Gelatine, Hausenblase und Hühnereiweiße zur Anwendung, um den Wein zu filtrieren und zu schönen. In jüngster Zeit setzen jedoch immer mehr Winzer auf Ersatzprodukte wie Aktivkohle oder pflanzliche Gelatine, um ihre Weine zu produzieren ohne Qualitätseinbußen zu machen. Daher lassen sich auch zunehmend hochwertige vegane Rieslinge finden.
Was ist das besondere an Eiswein?
Zur Herstellung von Eiswein werden gefrorene Trauben verwendet. In Deutschland müssen sie eine Temperatur von mindestens minus sieben Grad Celsius haben, um geerntet und im gefrorenen Zustand weiterverarbeitet zu werden. Künstlich tiefgefrorene Trauben sind für die Herstellung von Eiswein nicht zulässig. Eiswein ist besonders süß im Geschmack, da beim Gefrieren das Wasser vom Fruchtzucker getrennt wird und dieser sich so in der Traube konzentriert. Außerdem ist Eiswein länger haltbar als zum Beispiel Kabinett Riesling.
6. Verwandte Links
- Weinregale
- Korkenzieher
- Weinthermometer
- Flaschenkühler
- Weingläser
- Perlwein


































