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Ratgeber Schwimmwesten
Schwimmwesten sind für Ausflüge oder Sport auf dem Wasser unverzichtbar – auch für Kinder. Sie geben Auftrieb und schützen vor dem Untergehen. Was beim Kauf einer Schwimmweste zu beachten ist, erfährst du hier.
1. Schwimmwesten – so retten sie Leben
Schwimmwesten, häufig auch als Rettungswesten bezeichnet, sollen Personen in Seenot vor dem Ertrinken bewahren. Ihre Aufgabe ist es, den Kopf des Verunglückten über Wasser zu halten, nach Möglichkeiten auch wenn dieser bewusstlos ist. Die Westen könne das Drehen in eine sichere Rückenlage unterstützen, sodass Mund und Nase über der Wasseroberfläche gehalten werden. Diese Funktion wird als Ohnmachtssicherung bezeichnet.
Auch wenn alle Schwimmwesten die gleiche Aufgabe besitzen, kann man zwischen zwei Arten unterscheiden: Feststoffwesten und aufblasbare Rettungswesten, wobei letztere in vollautomatisch und halbautomatisch unterteilt werden. Lies im folgenden Kapitel alles über die Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile der verschiedenen Ausführungen.
2. Aufblasbare- und Feststoffschwimmwesten
Feststoffschwimmwesten und aufblasbare Rettungswesten unterscheiden sich in Bezug auf Material und ihre Funktionsweise. Während erstere aus sehr stabilem, voluminösem Material bestehen, sind aufblasbare Westen aus dünnem, weichen Kunstsoff gefertigt. Auch ihre Handhabung ist verschieden: Die festen Westen bieten einen sofortigen, konstanten Auftrieb im Wasser, wohingegen sich aufblasbare Rettungswesten erst im Wasser mit Luft befüllen und so das Treiben ermöglichen.
Beide verfügen über Vor- und Nachteile in Bezug auf Handhabung, Komfort und Sicherheit.
Egal für welche Ausführung du dich entscheidest, das Tragen einer Weste ist für deine Sicherheit auf dem Wasser besonders wichtig.
2.1 Feststoffschwimmwesten
Feststoffschwimmweste in auffallenden Farben
Feststoffwesten bestehen aus geschlossenzelligem Schaum, sodass Auftrieb nicht erst erzeugt werden muss. Sie sind relativ dick und robust, dadurch bieten sie Kälteisolierung sowie Aufprallschutz. Die Westen werden häufig für Wassersport, wie Kajak- oder Kanufahrten verwendet.
Vorteile von Feststoffwesten
- Ständiger Auftrieb, dadurch bleibt der Körper an der Wasseroberfläche.
- Kollisionsschutz vor Felshindernissen im Wasser.
- Zusatzausstattung wie Befestigungsmöglichkeiten für eine Rettungsleine und Taschen.
- Westen halten aufgrund der Kälteisolierung warm.
Obwohl Feststoffschwimmwesten über ein gewisses Maß an Kälteschutz verfügen, ist das Tragen von Neopren - oder Trockenanzügen bei niedrigen Temperaturen empfehlenswert.
Nachteile der Westen
- Nicht alle Feststoffschwimmwesten verfügen über eine Ohnmachtssicherung.
- Vor allem ältere Schnitte haben einen geringen Tragekomfort und durch das große Volumen der Weste wenig Bewegungsfreiheit. Schwimmen und Wiedereinsteigen in das Boot sind mit der Rettungsweste nur erschwert möglich.
- Während die Schwimmwesten bei Kälte angenehm wärmen, kann es bei warmen Umgebungstemperaturen schnell zu Hitzestau kommen. Die Westen werden deshalb oftmals nicht angezogen, was zu Lasten der Sicherheit auf dem Wasser geht.
- Kein Schutz von „fliegendem Wasser“. Das Gesicht ist nicht vor Gischt oder Überrollendem Wasser geschützt, was die Atmung beeinträchtigen kann.
2.2 Aufblasbare Schwimmwesten
Automatisch aufblasbare Schwimmweste
Im nicht aufgeblasenen Zustand sind sie dünn, leicht und bieten Bewegungsfreiraum. Sie werden vor allem für Hochsee-Fahrten verwendet.
Man unterscheidet in automatisch- und halbautomatisch aufblasbare Schwimmwesten. Voll automatische Westen werden mit Hilfe einer Kohlenstoffdioxid Patrone aufgeblasen, sobald die Mechanik durch Wasserkontakt ausgelöst wird.
Die Aufblasmechanik wird bei halbautomatischen Rettungswesten mit der Hand betätigt. Dies hat zwar den Vorteil, dass es nicht zu einer Fehlauslösung durch Spritzwasser kommen kann, allerdings funktioniert die Schwimmweste im Wasser nur, wenn die Person handlungsfähig ist.
Folgende Vorteile bietet eine aufblasbare Weste:
- Hohes Maß an Auftrieb. Die meisten Westen werden mit einem Auftrieb von 275 Newton ausgestattet.
- Sie stören nicht den Bewegungsablauf, drücken und scheuern nicht. Solange sie nicht aufgeblasen sind, ermöglichen sie einen einfachen Wiedereinstieg ins Boot und behindern nicht beim Schwimmen.
- Die meisten aufblasbaren Rettungswesten verfügen über Ohnmachtssicherheit. Nachdem die Weste aufgeblasen ist, bringt sie die Person automatisch in eine sichere Lage, auch wenn der Verunglückte bewusstlos und selbst nicht dazu fähig ist.
- Sie besitzen eine sehr gute Sichtbarkeit, dank auffälligen Farben und Reflektorstreifen. Außerdem ist ein Großteil der Modelle mit Signalpfeife ausgestattet, sodass sich die Person schnell bemerkbar machen kann.
- Einige Westen sind mit Sprayschutzhaube ausgerüstet. Das verhindert, dass „fliegendes Wasser“ wie Gischt oder eine Überspülung der Person zu Atemverlust führt.
Nachteile der aufblasbaren Rettungsweste
- Die meisten Westen besitzen keine Taschen oder Haken.
- Halbautomatische Westen geben im unaufgeblasenem Zustand keinen Auftrieb. Kommt es zum Sturz ins Wasser und die Person wird bewusstlos, wird sie nicht automatisch über Wasser gehalten.
- Versehentliches Auslösen der Aufblasfunktion möglich. Deshalb ist es ratsam, die Weste beim Transport in einer Schutzhülle aufzubewahren und eine zweite Patrone mitzuführen.
3. Welche Kaufkriterien gibt es?
Für deine Kaufentscheidung ist nicht nur die Art der Weste relevant, auch die Ausstattung und das gewünschte Einsatzgebiet sind entscheidend.
Feststoffwesten sind überwiegend bei Schwimmhilfen und Rettungswesten bis 100 Newton, maximal 150 Newton zu finden. Dies ist auf das Material zurückzuführen: Bei über 150 Newton müsste sehr viel Material im Brust- und Halsbereich benutzt werden, die Rettungswesten wäre dann nicht länger tragfähig. Deshalb setzt man ab 150 Newton aufblasbare Rettungswesten ein.
Alle in Europa erhältlichen Schwimmwesten müssen die sogenannte CE-Norm erfüllen. Sie sollten deshalb folgende Kennzeichnung aufweisen: DIN EN ISO 12402 – und eine zusätzliche, letzte Ziffer, welche von der Auftriebsklasse abhängig ist.
Rettungswesten sind in vier Auftriebsklassen unterteilt, wobei die Tragkraft in Newton angegeben wird.
Übersicht über Auftriebsklassen, CE-Norm, Eigenschaften und Einsatzorte der Schwimmwesten:
| Klasse | Kennzeichnung | Eigenschaften | Einsatzorte |
|---|---|---|---|
| 50 Newton | DIN EN ISO 12402-5 | Keine Ohnmachtssicherheit | Geschützte Gewässer, wo zeit- und ortsnahe Hilfe geleistet werden kann. Wassersport wie Wasserski, Windsurfen oder Flyboard |
| 100 Newton | DIN EN ISO 12402-4 | Eingeschränkte Ohnmachtssicherheit | Binnen- und geschützte Gewässer (Fließ- und Stillgewässer), wo weder Seegang noch Gischt erwartbar sind |
| 150 Newton | DIN EN ISO 12402-3 | Bei schwerer Kleidung nur eingeschränkte Ohnmachtssicherheit | Sie geben in allen Gewässern genügend Auftrieb, vor allem für Hochsee und Sportschifffahrt konzipiert |
| 275 Newton | DIN EN ISO 12402-2 | Hohe Ohnmachtssicherheit | Für Hochsee und extreme Bedingungen |
Achte außerdem darauf, dass deine Schwimmweste für dein Körpergewicht geeignet ist. Das zulässige Gewicht ist auf der Weste vermerkt. Leuchtende Farben sind auffällig und fallen in weiten Gewässern schnell ins Auge. Markante Farben sind bei einer Rettungsweste deshalb empfehlenswert.
4. Kinderschwimmwesten
Viele Kinder tragen anstelle von Schwimmflügeln gerne Kinder-Schwimmwesten. Dadurch haben sie mehr Bewegungsfreiheit im Wasser. Hierbei ist zwischen einer Kinderschwimmweste und einer Schwimmhilfe zu unterscheiden.
Lass deine Kinder auch mit Schwimmweste oder Schwimmhilfe im Wasser nicht unbeaufsichtigt.
Schwimmhilfen verhindern ein sofortiges Absinken im Wasser, geben einen leichten Auftrieb und verfügen über 50 Newton. Sie eigenen sich für auch für Babys und Kleinkinder, beim Besuch im Schwimmbad oder beim Spielen am See oder Meer. Achte darauf, dass die Hilfe einen Schrittgurt besitzt, der für einen stabilen Sitz der Weste sorgt.
Planst du mit deinem Kind eine Tour auf dem Wasser mit Boot, Kanu oder ähnlichem, sollte dein Kind unbedingt eine Schwimmweste tragen. Diese kann das Kind im Unglücksfall in eine ohnmachtssichere Lage bringen.
Kinderschwimmweste mit Ohnmachtssicherung (links), Schwimmhilfe für Kinder (rechts)
Für Ausflüge im Sommer eigenen sich aufblasbare Westen, denn Kinder können in dicken Feststoffschwimmwesten schnell überhitzen. Achte beim Kauf darauf, dass die aufblasbare Weste:
- … automatisch aufblasbar ist, damit Kinder ohne Hilfe schnell Auftrieb bekommen.
- … mindestens 150 Newton und eine Ohnmachtssicherung aufweist.
- … eine auffällige Farbe und Reflektorstreifen besitzt.
- … mit Schrittgurt, Signalpfeife und Bergschlaufe ausgestattet ist.
Für Touren im Frühjahr oder Herbst können Feststoffwesten mit 100 Newton bedenkenlos eingesetzt werden. Ihre isolierende Eigenschaft spendet dem Kind auch bei niedrigeren Temperaturen Wärme. Auch die Feststoffweste sollte mit einer Ohnmachtssicherung ausgestattet sein, die an einem Kragen an der Weste erkennbar ist.
Vor allem bei Kindern ist es wichtig, dass die Schwimmweste passgenau sitzt. Achte auf das zulässige Körpergewicht.
5. FAQ
Welche Lebensdauer hat eine Schwimmweste?
Es wird empfohlen, eine Weste nicht länger als zehn Jahre zu verwenden. Alle zwei Jahre sollte sie gewartet werden. Achte dabei auf Verfärbungen des Materials, Risse und Einschnitte.
Sind Schwimmwesten gesetzlich vorgeschrieben?
Es gibt keine Pflicht, eine Rettungsweste zu tragen. Um deine Sicherheit auf dem Wasser zu gewährleisten, ist das Tragen einer Weste aber empfehlenswert.
Ab wie viel Jahren sind Schwimmfesten geeignet?
Schwimmwesten gibt es schon für Babys und Kleinkinder. Beachte die vom Hersteller vorgeschriebenen Alters- und Gewichtsangaben.
6. Verwandte Links
- Automatische Schwimmwesten
- Baby-Schwimmwesten
- Hunde-Schwimmwesten
- Schlauchboot
- Kajaks
- Trillerpfeifen
- Kinderboote
- Paddel





































