
Motorradhelme: So findest du den passenden Schutz
Ein guter Motorradhelm gehört zur absoluten Standardausrüstung eines jeden Motorradfahrers und sollte sorgfältig ausgewählt werden. Was du beim Kauf beachten musst, erfährst du in diesem Ratgeber.
1. Motorradhelme
Während du Accessoires wie Motorradjacke, Motorradstiefel und Motorradhandschuhe optional wählen kannst, ist ein Motorradhelm obligatorisch. Schließlich gilt in Deutschland Helmpflicht für alle Zweiräder, die schneller als 20 Stundenkilometer fahren können. Davon abgesehen erhöht ein Sturzhelm die Sicherheit enorm und kann bei einem Unfall im Zweifelsfall Leben retten.
1.1 Allgemeine Informationen
Zentraler Bestandteil der Motorradbekleidung: der Helm.
Unabhängig von der Bauform gibt es einige Aspekte, die du beim Erwerb eines Motorradhelmes stets beachten solltest:
- Der Helm sollte über das ECE-Siegel verfügen und der EU-Prüfnorm für Motorradhelme entsprechen.
- Eine ausreichende Belüftung sollte sichergestellt sein, auch bei geschlossenem Visier.
- Die Schalldämmung sollte effizient, die Geräuschentwicklung gering sein. Zusätzlich kann sich der Gebrauch von Gehörschutz empfehlen.
- Das Visier sollte sauber schließen.
- Herausnehmbare Innenpolster erleichtern die Reinigung deutlich.
- Bei langen Touren empfiehlt sich ein Motorradhelm mit wenig Gewicht.
Tipp: Motorradhelme mit Bluetooth verfügen über ein integriertes, mobiles Kommunikationssystem. Die Funkverbindung ermöglicht dem Fahrer eine sichere und bequeme Handhabung verschiedener Funktionen wie Telefonieren, Musikhören, Anhören von GPS-Anweisungen und Kommunikation mit anderen Fahrern.
1.2 Materialien
Die Außenschale eines Motorradhelmes muss bei einem Sturz starken Belastungen standhalten, um dich vor gravierenden Kopfverletzungen schützen zu können. Bei der Herstellung der Schale kommen in der Regel Materialien aus einer von zwei Werkstoffgruppen zum Einsatz. Die Bezeichnungen sowie die Eigenheiten der einzelnen Materialien kannst du der nachstehenden Tabelle entnehmen:
| Werkstoffgruppe | Materialien | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|
| Thermoplaste | Polycarbonat, Polyamid, ABS/Resin | Kostengünstig, Weniger lange haltbar als Duroplaste |
| Duroplaste | Glasfaserverstärkter Kunststoff/Fiberglas, Carbon | Besonders stabil, lange Haltbarkeit, geringes Gewicht, Kostenintensiv |
Beachte: Nach einem Sturz solltest du den Motorradhelm in jedem Fall durch einen neuen ersetzen, auch wenn die Helmschale keine sichtbaren Beschädigungen aufweist. Selbst winzige Haarrisse können die Schutzwirkung des Helms und damit die Sicherheit negativ beeinflussen.
1.3 Visier
Das Visier soll den Motorradfahrer vor Wind und Regen schützen.
Einige Helm-Modelle verfügen über ein klappbares Visier, das den Fahrkomfort verbessern kann. So sind deine Augen etwa vor Fahrtwind und Regenwasser geschützt. Da ein Beschlag der Scheibe die Sicht erschwert und damit eine potenzielle Gefahr darstellt, solltest du darauf achten, dass das Visier mit einer Doppelscheibe oder Antibeschlag-Beschichtung ausgestattet ist. Folgende Arten von Visieren sind bei Motorradhelmen üblich:
- Klarsicht-Visier: klassisches Visier aus durchsichtigem Polycarbonat
- Visier mit Verspiegelung oder Tönung: soll Blendungen durch Sonnenlicht vorbeugen
- Antibeschlag-Visier: zusätzliches, innen liegendes Visier, das ein Beschlagen des Hauptvisieres verhindern soll
- Sonnenvisier: zusätzliches, getöntes und justierbares Visier, das Sonnenstrahlen abhalten soll
- Heizvisier: mit Heizdrähten ausgestattetes Visier, das Beschlagen verhindern soll
1.4 Passform
Die Polsterung des Helmes sollte eng am Kopf anliegen.
Ein Motorradhelm kann dir nur dann den bestmöglichen Schutz bieten, wenn er passgenau sitzt. Ob dies der Fall ist, kannst du leicht selbst ermitteln: Setze den Helm auf, schließe den Kinnriemen und wackle mit den Händen leicht am Helm. Dabei sollte sich allein deine Kopfhaut bewegen, nicht jedoch der Motorradhelm selbst. Das obere Innenpolster sollte ebenfalls am Kopf anliegen. Falls du eine Brille trägst, so sollte diese nicht unangenehm drücken, wenn du den Helm trägst.
Tipp: Welche Größe dein Motorradhelm ungefähr haben sollte, kannst du bestimmen, indem du ein Maßband oberhalb deiner Augenbrauen und Ohren eng um deinen Kopf legst und deinen Kopfumfang ausmisst. Die entsprechende Zentimeterangabe wird meist auch in der Produktbeschreibung des Helms angegeben.
2. Bauformen
Möchtest du einen neuen Motorradhelm kaufen, hast du die Wahl zwischen mehreren unterschiedlichen Bauformen. Welche sich für dich am besten eignet, hängt auch damit zusammen, auf welchen Strecken du mit deinem Motorrad unterwegs bist und was für eine Art Kraftrad du fährst. Wir stellen dir die gängigen Varianten und ihre Eigenheiten vor.
Integralhelm
Der Integralhelm ist der klassische Motorradhelm: Er umschließt den gesamten Kopf und verfügt in der Regel über ein Visier, dass du auf- und zuklappen kannst. Von allen Bauformen bietet der Integralhelm den größten Schutz vor Kopfverletzungen.

Klapphelm
Optisch dem Integralhelm ähnlich, ist die Kinnpartie samt Visier bei einem Klapphelm beweglich und kann nach oben geklappt werden. Das macht den Klapphelm zum idealen Motorradhelm für Brillenträger, da sich das Aufsetzen leichter gestaltet und bei Pausen zum Essen und Trinken nicht der ganze Helm abgenommen werden muss. Dafür sind Klapphelme häufig schwerer als Integralhelme. Schutz und Sicherheit sind in etwa gleich hoch.

Jethelm
Jethelme sind sogenannte Halbschalenhelme: Sie umschließen nicht den gesamten Kopf, sondern sparen den Kinnbereich aus. Da sie deshalb weniger gut schützen als Integral- oder Klapphelme, ist es umso wichtiger, dass Jethelme passgenau und auch die Kinnriemen einwandfrei sitzen. Wider Erwarten ist das Gewicht nicht automatisch geringer als bei Ganzschalenhelmen.
Zu den Vorteilen dieses Schutzhelmes gehört zum einen die gesteigerte Bewegungsfreiheit: Durch den freien Kinnbereich kannst du den Kopf vergleichsweise leicht bewegen. Zum anderen bietet der Jethelm eine stilvolle Optik. Besonders Fahrer von Rollern, Mofas und Mopeds, aber teilweise auch von Choppern schätzen diesen Look. Retro-Motorradhelme entsprechen ebenso häufig dieser Bauform. Jethelme sind sowohl mit als auch ohne Visier erhältlich.

Crosshelm
Ganz auf die Bedürfnisse von Motocross-Bikern ausgelegt, ist der Crosshelm. Die Kinnpartie ist nach vorne hin verlängert, wodurch einerseits die Luftzufuhr verbessert und andererseits vom Boden aufgewirbelter Schmutz von deinem Gesicht ferngehalten werden soll. Ein großzügig bemessener Schirm schützt dich vor Sonnenstrahlen und Steinschlägen. Ein Visier ist normalerweise nicht vorhanden, stattdessen kannst du eine Schutzbrille tragen. Das Gewicht eines Crosshelms sollte möglichst gering sein.

Endurohelm
Ein Endurohelm bewegt sich von der Konstruktion her zwischen Integral- und Crosshelmen: Die Kinnpartie ist länger als bei einem Straßenhelm, jedoch nicht so ausgeprägt wie bei Cross-Modellen. Zum Schutz vor der Sonne sind Endurohelme außerdem mit einem (bei einigen Varianten abnehmbaren) Helmschirm ausgestattet und verfügen oft zusätzlich über ein Visier, das du beim handelsüblichen Crosshelm nicht finden wirst. Wenn du sowohl auf als auch abseits der Straße fährst, kann ein Endurohelm das richtige Modell für dich sein.

3. Kinderhelme
Kinderhelme gibt es in verschiedenen Bauformen, hier als Integralhelm.
Motorradhelme für Kinder sind speziell auf die Bedürfnisse von kleineren Beifahrern abgestimmt. Wichtig ist, dass du für deinen Nachwuchs unbedingt einen Kinderhelm erwirbst, und keinen Helm für Erwachsene. Kleine Herren- oder Damenhelme sind nicht geeignet. Die Bauweisen von Kinderhelmen entsprechen weitgehend denen von regulären Motorradhelmen, es gibt also unter anderem Integralhelme und Motocrosshelme für Kinder. Wichtig ist neben der Sicherheit auch das Gewicht: Ein Kinderhelm sollte nicht zu schwer sein.
Da Jungen und Mädchen stetig wachsen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie nicht dauerhaft den selben Schutzhelm tragen können. Du solltest deinem Kind stets ein Modell zur Verfügung stellen, das einwandfrei passt.
4. Ersatzteile
Generell sind Ersatzteile von Motorradhelmen nicht dafür gedacht, durch einen Sturz beschädigte Bestandteile zu ersetzen – in diesem Fall solltest du den gesamten Helm sicherheitshalber entsorgen. Um Verschleißteile auszutauschen oder die Funktionalität deines Motorradhelms zu erweitern, kannst du dich jedoch aus einem breiten Angebot an einzelnen Komponenten bedienen. Hierzu zählen beispielsweise:
- Wangenkissen
- Helmschirm
- Visier
- Visiermechanismus und Visierbefestigung
- Nackenpolster
- Windschutz und Wetterschutz
- Innenpolster
- Nackenpolster
Wangenpolster gibt es für verschiedene Helmausführungen.
Der Schirm eines Crosshelmes lässt sich oft unkompliziert austauschen oder ersetzen.
5. Marken und Modelle
Es gibt zahlreiche Hersteller, die Motorradhelme produzieren. Wir stellen dir einige der wichtigsten Marken und ausgewählte Modelle vor.
HJC
- RPHA 11, 70, 90, X, Jet
- FG-ST, 17
- IS-17
- CS-MX II

AGV
- K-5 S
- K-3 SV
- K-1
- Pista GP, Rossi

Shark
- Evoline, Pro Carbon, Series3
- Skwal 2, D-Skwal
- Spartan
- Explore-R

Schuberth
- R2
- 01
- E1
- SR2

Shoei
- GT-Air
- Neotec, 2
- NXR
- RYD

6. FAQ
Welcher Motorradhelm bietet die höchste Sicherheit?
Aufgrund ihrer Konstruktion bieten Integralhelme den bestmöglichen Schutz unter den Sturzhelmen: Sie umfassen deinen gesamten Kopf und auch den Kinnbereich. Klapphelme bieten eine ähnlich hohe Sicherheit.
Wie weiß ich, welche Helmgröße ich brauche?
Dein Helm sollte dir genau passen. Obwohl es im Hinblick auf die Größe leichte Abweichungen zwischen verschiedenen Herstellern oder Modellen geben kann, kannst du leicht ermitteln, welche Größe dein Schutzhelm in etwa haben sollte. Ziehe hierfür ein Maßband oberhalb der Augenbrauen und der Ohren um deinen Kopf und lese die Zentimeter ab. Diesen Wert findest du meist auch in der Produktbeschreibung eines Motorradhelms.
Welcher Helm eignet sich für Brillenträger?
Grundsätzlich eignen sich fast alle Bauformen auch für Brillenträger. Klapphelme bieten jedoch den Vorteil, dass das Kinnteil inklusive Visier nach oben geklappt werden kann, was das Aufsetzen für Brillenträger erleichtert. Da Jethelme den Kinnbereich gänzlich aussparen, kann der Tragekomfort hier ebenfalls höher sein, falls du eine Brille trägst.
7. Verwandte Links
- Motorradbrillen
- Protektoren
- Nierengurte
- Sturmhauben
- Motorradbekleidung


































