
Ratgeber Hänge-WCs
Synonyme wie „stilles Örtchen“, „Privé“ oder „Lokus“ haben sich nicht ohne Grund etabliert: Eine Toilette gilt als Ort höchster Privatheit. Die heute veralteten Bezeichnungen dienten früher dazu, den eigentlichen Zweck einer Toilette zu verschleiern. Heute hingegen werden renommierte Designer vermehrt auf die sanitären Vorrichtungen angesetzt, was zeigt, dass die Ästhetik der Bäder an Bedeutung gewinnen. Das Wasserklosett ist in zwei Ausführungen erhältlich: Hängende WCs haben dem Stand-WC in den letzten Jahren den Rang abgelaufen. Warum das so ist, wie ein Hänge-WC funktioniert und wie die Montage zum Kinderspiel wird, erfahren Sie in unserem Ratgeber.
1. Merkmale von Hänge-WCs
Hänge-WCs, auch Wand-WCs genannt, finden immer häufiger Einzug in modern eingerichtete Badezimmer und lösen damit das herkömmliche Stand-WC weitgehend ab. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Fliesenreinigung aufgrund des Abstands zwischen Boden und WC leichter zu bewältigen ist. Darüber hinaus birgt ein hängendes WC den ästhetischen Vorteil, dass der Spülkasten hinter dem Vorwandsystem verschwindet.
1.1 Bestandteile und Funktionsweise
Sie können ein Wand-WC in Form eines Sets erwerben. Dieses Set besteht aus einer Keramikschüssel, einem WC-Sitz, einem Spülkasten und einer Betätigungsplatte. In einem Hänge- beziehungsweise Wand-WC ist der Spülkasten in der Vorwand Ihres Badezimmers integriert. Der Spülkasten, in dem sich ein Vorratsbehälter befindet, wird mit einer Styropor-Wand abgedeckt, um die Spülgeräusche zu dämpfen. Ein Wand-WC besitzt einen horizontalen Abgang, das heißt, dass der Abfluss aus der WC-Schale direkt in die Wand geleitet wird.
Der Wasserstand in einem funktionierenden Hänge-WC verändert sich nicht, auch wenn Sie noch so viel Wasser nachspülen. Dies liegt an der „U-Form“ des Abflussrohrs: Es reguliert die Wassermenge und behält immer eine bestimmte Menge Wasser ein. Auch der Spülkasten ist stets mit Wasser gefüllt und setzt innerhalb weniger Sekunden bis zu sechs Liter frei, um den Spüleffekt in Gang zu bringen.
Modernes Bad mit Hänge-WC und Bidet
TIPP: Achten Sie auf pflegeleichte Oberflächen bei der WC-Keramik. Die Beschichtung gewährleistet, dass Kalk und Schmutz mit dem Wasser abperlen und sich keine Kalkrückstände bilden. So können Sie auf aggressive Reiniger verzichten.
1.2 Wasserverbrauch
Wie viel Wasser verbraucht eigentlich eine WC-Spülung? Es kommt auf den Bautyp des WCs an: Ein Tiefspüler ist grundsätzlich wassersparender als ein Flachspülklosett. Zwischen 34 und 44 Litern verbraucht eine Person täglich an Wasser bei Toilettengängen. Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von knapp 130 Litern pro Tag und Person in Deutschland fließt also alleine für die WC-Spülung ein Drittel des Trinkwassers in die Kanalisation.
TIPP: Die Wassermenge können Sie anhand der Betätigungsplatten manuell regulieren, denn ein hoher Wasserverbrauch belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Sechs Liter werden üblicherweise für das große und drei Liter für das kleine Geschäft, das mit der Spartaste bedient wird, eingestellt.
1.3 Vor- und Nachteile eines Wand-WCs
Gerade für große Menschen und Rollstuhlfahrer ist es von Vorteil, dass das WC höher montiert werden kann. Die gewöhnliche Toilettenhöhe liegt bei etwa 40 Zentimetern, behindertengerechte WC-Anlagen sollten eine Höhe zwischen 48 und 55 Zentimetern aufweisen. Welche Vor- und Nachteile ein Wand-WC besitzt, sehen Sie in der unten stehenden Tabelle.
Hänge-WC /Wand-WC

Vorteile
- Integrierter Spülkasten: nur die Betätigungsplatten sind sichtbar
- Anpassbare Aufhänghöhe
- Einfache Bodenreinigung unter dem WC
- Waagerechter Abgang
- Reduziertes Design
Nachteile
- Hoher Aufwand durch den Bau eines Vorwandsystems
- Vorwandsystem für dünne oder tragende Wände ungeeignet
HINWEIS: Um die Stabilität eines hängenden WCs brauchen Sie sich übrigens keine Sorgen zu machen. Die Hersteller testen sie zum Teil mit 400 Kilogramm Gewicht.
2. Bautyp: Tiefspüler oder Flachspüler?
Tief- und Flachspüler weisen keine Unterschiede in ihrer Funktionalität auf – so kommen beispielsweise Toilettenverstopfungen in gleicher Häufigkeit vor. Lediglich im Hinblick auf die Bauart weichen die beiden Varianten voneinander ab. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie Pro- und Kontra-Argumente für beide Spüler.
Tiefspüler
Vorteile
- Kaum Geruchsbildung
- Wasser schützt vor Kanalisationsgerüchen
Nachteile
- Spritzgefahr
Flachspüler
Vorteile
- „Podest“ erleichtert Stuhlprobenentnahme
- Keine Spritzgefahr
Nachteile
- Geruchsbildung
- Hoher Wasserverbrauch durch häufigere Spülvorgänge
- Aufwendige Bürstenreinigung
3. Montage
Besitzen Sie bereits ein Hänge-WC, sollten Sie aufgrund des Vorwandsystems bei dem Modell bleiben. Wenn Sie aus Modernisierungsgründen Ihr Stand-WC durch ein Wand-WC ersetzen möchten, müssen Sie mit einer aufwendigen Montage rechnen, die unter Umständen von einem Profi bewerkstelligt werden muss.
Stellen Sie vor Installationsbeginn sicher, dass Sie über das nötige Werkzeug verfügen:
- Zollstock
- Bleistift
- Schraubenschlüssel (Gabel/Ring)
- Wasserpumpenzange
- Kombizange
- Säge mit feiner Verzahnung
- Bohrmaschine mit Stein- oder speziellem Fliesenbohrer
- Cutter-Messer
- Silikonspritze
- Wasserwaage
Der erste Schritt ist das Abdrehen des Wassers. Sobald Sie die alte Toilette ausgebaut haben, verschließen Sie den Abgang mit einem Geruchsstopfen. Halten Sie nun die Toilette mit einem Helfer an die Wand. Eine Wasserwaage hilft Ihnen dabei, die Toilette auszurichten. Nachdem Sie die Bohrlöcher angezeichnet haben, können Sie die Keramik wieder abnehmen und die Löcher in die Fliesen bohren. Stecken Sie die Schrauben auf die Toilette und montieren Sie hinten (später zwischen Wand und Keramik) das Schalldämm-Kit. Jetzt schieben Sie die Toilette auf das Abflussrohr und befestigen sie mit Wandschrauben. Anschließend wird der Spülkasten angebracht. Bei der Toilette für die WC-Vorbauwand erreichen Sie alles durch die Öffnung, auf die später die Drückerplatte gesetzt wird. Wickeln Sie den Hanf um die Außengewinde bei Eckventil und flexiblem Schlauch. Dann wird das Eckventil und im Anschluss daran der Flexschlauch befestigt. Den Flexschlauch wiederum installieren Sie nun mit dem innen liegenden Spülkasten. Schließlich wird noch die Sanitärfuge mit dem Silikon verfugt. Achten Sie hierbei auf eine sparsame Verwendung der Fugenmasse.
4. FAQ
Warum sollte ich mich für ein Hänge-WC entscheiden?
Ein hängendes WC bietet einen ästhetischen Vorzug: Durch das Verschwinden des Spülkastens in der Wand wartet das Bad mit einem modernen, reduzierten Design auf. Die Fliesen unter dem WC sind einfach zu reinigen, weil der Zugang durch die erhöhte Montage erleichtert wird. Darüber hinaus lässt sich die Sitzhöhe eines Wand-WCs anpassen, was für Kinder oder Menschen mit Behinderung von Vorteil ist.
Welche Bauart ist für mich geeignet? Flach- oder Tiefspüler?
Beim Tiefspüler fallen die Exkremente direkt in den Abfluss. Dieser ist mit Wasser gefüllt, damit keine Gerüche aus der Kanalisation ins Badezimmer gelangen. Einige Nutzer sehen in der Spritzgefahr einen entscheidenden Nachteil. Flachspüler zeichnen sich durch eine Art Podest im Inneren der Toilettenschüssel aus. Die Ausscheidungen gelangen erst durch Betätigung der Spülung in den Abfluss, weswegen sich verhältnismäßig schnell Gerüche entwickeln. Außerdem wird bei einem Flachspüler vergleichsweise mehr Wasser verbraucht und die Reinigung der Schüssel ist aufwendiger.
Kann ich ein Wand-WC selbst montieren?
Die Montage eines Wand-WCs ist von einem erfahrenen Heimwerker durchaus zu bewältigen, sofern Material und Werkzeug vorhanden sind. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, empfiehlt sich eine sachkundige Installation von einem ausgebildeten Fachmann.
5. Verwandte Links
- Duschen
- WC-Garnituren
- Badewannen
- Whirlpools



































