
Bonsai – Gartenkunst für drinnen und draußen
Der Begriff Bonsai bezeichnet sowohl die kultivierte Pflanze als auch die Gartenkunst an sich. Hierbei werden Sträucher und Bäume dekorativ in Schalen gesetzt und durch verschiedene Techniken in ihrer Gestalt beeinflusst. In diesem Ratgeber präsentieren wir Ihnen eine Auswahl unterschiedlicher Gehölzarten und möglicher Stilformen des Bonsais. Außerdem erfahren Sie, wie der Baum gepflegt wird und sein typisches Aussehen erhält.
1. Wissenswertes über den Bonsai
Obwohl die Gartenkunst Bonsai (Anpflanzung in der Schale) ursprünglich im Freien praktiziert wurde, zählen die meisten Bäume zu den Zimmerpflanzen , die lediglich in der Sommerzeit draußen aufgestellt werden sollten.
Beim Bonsai handelt es sich nicht um eine spezielle Gehölzart, sondern um die Kultivierung diverser Baum- und Straucharten: Das Ziel von Aufzucht und Pflege des Bonsais ist es, eine bestimmte, vorher festgelegte Gestalt zu erlangen – oftmals eine Imitation natürlicher Phänomene. Dafür müssen Sie den Bonsai stutzen und durch das Drahten und Spannen in die gewünschte Form bringen. Um die signifikante geringe Größe zu bewahren, werden nicht nur Blätter und Zweige, sondern auch Stamm und Wurzeln geschnitten.

Ein wichtiger Bestandteil neben der Pflanze ist die Schale mit Drainagelöchern, die anstelle eines Blumentopfs verwendet wird. In den meisten Fällen steht unter dieser ein optisch passender Untersetzer, der überschüssiges Wasser aufnimmt. Da die Schale den Raum zur Wurzelbildung begrenzt, müssen Sie den Baum häufig düngen, um sein Wachstum sicherzustellen.
Die Schale dient der Rahmung der Pflanze, sie sollte aber nicht durch auffällige Designs oder Farben in den Vordergrund gestellt werden.
Als klassische Präsentationsmöglichkeit und zusätzliches Stilelement fungieren Bonsaitische, auf denen lediglich die Pflanzen stehen. Weitere Möglichkeiten der Betonung sind Paravents und die in Europa nur selten genutzte Begleitdekoration (= Beisteller) in Form von Rollbildern und kleinen Figuren.
2. Geeignete Baum- und Straucharten
Die Auswahl an geeigneten Gehölzarten ist äußerst umfangreich. Zusätzlich zu den traditionellen chinesischen und japanischen Zwergbäumen werden auch europäische Baumarten angeboten.
Hier sehen Sie eine Auswahl verschiedener Bonsai:

Chinesischer Liguster
(Ligustrum sinensis)
- Benötigt viel Wasser, zeigt dies aber durch hängende Blätter an
- Standort: heller, kühler Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: zwei bis drei Mal pro Woche mit viel Wasser
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
Japanische Stechpalme
(Bonsai Ilex crenata)

- Dank kleiner Blätter leicht zu gestalten
- Standort: an einem geschützten Platz im Freien
- Vor Frost bewahren
- Austrocknung im Winter vermeiden
- Gießen: abhängig vom Standort (zwei bis drei Mal pro Woche)
- Düngung: nur im Sommer (alle zwei bis drei Wochen)
Steineibe
(Podocarpus macrophyllus)

- Langsamer Wuchs, genügsame Pflanze
- Standort: heller, kühler Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: Gießen: sobald die Erde nur noch leicht feucht ist (zwei bis drei Mal pro Woche)
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
Japanischer Fächerahorn
(Acer Palmatum)

- Standort: halbschattiger bis sonniger Platz im Freien
- Vor Frost schützen
- Austrocknung im Winter vermeiden
- Gießen: abhängig vom Standort (zwei bis vier Mal pro Woche)
- Düngung: nur im Sommer (alle zwei bis drei Wochen)
Szechuan-Pfeffer
(Zanthoxylum piperitum)

- Blätter riechen nach Citrus und Pfeffer
- Standort: heller, warmer Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: sobald die Erde nur noch leicht feucht ist (zwei bis drei Mal pro Woche)
- Nicht austrocknen lassen
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
Chinesische Ulme
(Ulmus parvifolia)

- Standort: heller, kühler Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: sobald die Erde nur noch leicht feucht ist (zwei bis drei Mal pro Woche)
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
Chinesischer Feigenbaum
(Ficus Retusa)

- Für Anfänger geeignet
- Standort: heller, warmer Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: sobald die Erde nur noch leicht feucht ist (zwei bis drei Mal pro Woche)
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
Chinesischer Fukientee
(Carmona microphylla)

- Auch als „Falscher Tee“ bezeichnet
- Standort: heller, warmer Fensterplatz
- Während des Sommers im Freien aufstellbar
- Gießen: zwei bis drei Mal pro Woche
- Nicht austrocknen lassen
- Düngung: im Sommer alle zwei bis drei Wochen, im Winter nur alle vier bis sechs Wochen
3. Kultivierung und Gestaltung
Wenn Sie Ihren Bonsai nicht selbst aus Samen gewinnen, sollten Sie bereits vor dem Kauf des Baums überlegen, welcher Stilform er angehören soll. Denn Aspekte wie die Wuchsrichtung oder Stammteilung lassen sich bei bereits gewachsenen Ausführungen nur schwer oder gar nicht ändern.
3.1 Stilformen
Grundsätzlich werden die folgenden Gestaltungsarten unterschieden:
- Wuchsrichtung
- Streng aufrecht (Chokkan)
- Frei aufrecht (Mōyogi)
- Stammteilung
- Doppelstamm (Sōkan)
- Dreifachstamm (Sankan)
- Mehrfachstamm (Kabudachi)
- Imitation natürlicher Phänomene
- Luftformen
- Geneigter Stamm (Shakan)
- Windgepeitschte Form (Fukinagashi)
- Kaskadenformen
- Halbkaskade (Han-Kengai)
- Kaskade (Kengai)
- Felsformen
- Am Stein angebracht (Ishi-Tsuki)
- Baum über Fels (Sekijōju)
- Charakterformen
- Zusammengerollter Stamm (Bankan)
- Literatenform (Bunjingi)
- Landschaften
- Floß (Ikadabuki)
- Wald (Yose-ue)
- Tierformen
- Luftformen
Landschaftsnachbildungen durch Felsen, Wasser oder Figuren sind in Europa relativ selten. Sie finden sich in der Regel nur als Beisteller bei Bonsai Bäumen, die mit einem Springbrunnen kombiniert sind.

Ein Zimmerspringbrunnen zwischen zwei Waldlandschaften: Goldlärchen (links) und Urweltmammutbäume (rechts).
Häufiger ist die Imitation eines Waldes, bei der mehrere Stämme in einer Schale gepflanzt werden. Für gewöhnlich werden dabei Nadel- und Laubbäume nicht untereinander gemischt.
3.2 Gestaltungsmaßnahmen
Bonsai benötigen eine spezielle Pflege und auch besondere Erde.
Durch das Zurückschneiden des Baums und verschiedene andere Methoden können Sie Einfluss auf den Wuchs nehmen und Einzelheiten wie die Astanordnung oder Feinverzweigung korrigieren. Ob der Bonsai einer winzigen Ausführung beziehungsweise Stilisierung eines freiwachsenden Baums (naturalistischer Stil) gleichen oder eine experimentelle Optik erhalten soll, ist von Geschmack und Können des Bearbeiters abhängig.
Zur Grundausstattung gehören die Pflanze, eine Schale mit Untersetzer, Draht und Zange, sowie Bonsaierde oder ein anderes passendes Substrat. So besteht zum Beispiel Akadamaerde aus Lehmkugeln und hat normaler Blumenerde gegenüber den Vorteil, dass sich keine Staunässe bilden kann.
Folgen Sie bei der Kultivierung einer jungen Pflanze diesem Schema:

Starter-Kits enthalten die nötige Grundausstattung für Anfänger.
- Entscheiden Sie sich für eine Stilform.
- Dünnen Sie den unteren Teil des Baumes aus, indem Sie dort Äste und Zweige mit einer Zange entfernen (Gestaltungsschnitt).
- Hüllen Sie die verbliebenen Äste vorsichtig in Drähte. Hierbei sollten Sie mit den großen Zweigen beginnen und sich zu den kleineren vorarbeiten. Das vorsichtige Biegen und Formen beginnt erst, nachdem alle Äste umwickelt wurden.
- Danach können Sie die Schale vorbereiten: Bedecken Sie die Drainagelöcher mit einem Netzgeflecht und befestigen Sie hier zwei lange Drähte. Füllen Sie die Schale mit Bonsaierde.
- Entnehmen Sie vorsichtig den Bonsai aus dem Pflanztopf. Entfernen Sie die Erde, um die Wurzeln freizulegen.
- Kürzen Sie die Wurzeln (bis zu einem Drittel des vorhandenen Wurzelwerks ist dies unbedenklich) und platzieren Sie den Bonsai in der Schale.
- Fixieren Sie den Baum mit den losen Drähten und bedecken Sie die Wurzeln sorgfältig mit dem Substrat.
- Zuletzt wird der Bonsai gegossen. Alternativ können Sie ihn mit der Schale für einige Minuten in ein Wasserbad tauchen, bevor Sie ihn auf den Untersetzer stellen.
Achten Sie darauf, den Draht nach ein paar Monaten abzunehmen, da die Pflanze andernfalls Schaden nimmt. Schneiden Sie neue Triebe des Baums regelmäßig zurück, um die Formgestaltung zu bewahren (Formschnitt).
Bei der Kultivierung Ihres Bonsais sollten Sie nicht auf wichtiges Zubehör verzichten.

Bonsai-Zange

Bonsai-Draht

Bonsai-Besen
4. FAQ
Wann sollte ich den Bonsai schneiden?
Beim Zurückschneiden des Baums unterscheidet man zwei Varianten: Der sogenannte Gestaltungsschnitt legt die grundsätzliche Form der Pflanze fest und sollte im Frühjahr oder Herbst stattfinden. Dagegen dient der Formschnitt der regelmäßigen Pflege und Erhaltung des Erscheinungsbildes. Sie können Ihn das ganze Jahr über durchführen.
Darf ich meinen Bonsai im Freien aufstellen?
Indoor Bonsais lassen sich fast immer im Freien aufstellen, allerdings nur in den Sommermonaten. Außerdem werden Outdoor Bonsais wie die Japanische Stechpalme und der Japanische Ahornfächer angeboten, die das ganze Jahr über draußen verbleiben dürfen. Im Winter sollten Sie diese vor Frost schützen, damit Sie lange Freude an Ihrem Baum haben.
Kann ich einen Bonsai aus Samen ziehen?
Bonsai können aus vielen verschiedenen Sträuchern und Bäumen gewonnen werden, daher können Sie problemlos den Samen Ihrer Wunschpflanze kaufen oder gegebenenfalls in Ihrem Garten sammeln. Allerdings ist das Aussäen im Herbst oder Frühjahr ratsam, da Sie die Samen ansonsten selbst keimfähig machen müssen. Für Anfänger empfiehlt sich jedoch ein Starter-Kit, weil die Aufzucht und Pflege des Bonsais auch mit rudimentären Kenntnissen gelingt und Sie direkt mit der Kultivierung beginnen können.






































